KRAUT DES MONATS - BRENNNESSEL

Donnerstag 23. Juni 2016 Christine’s Kräuter- und Entspannungsecke


Tipps zur Anwendung und Heilkraft der Brennnessel aus dem Hörnlepass Kleinwalsertal

Große Brennnessel - Urtica dioica

Nachdem Gregor ja bereits gezeigt hat, dass man mit Brennnesseln tolle Gerichte zaubern kann, möchte ich Ihnen heute einen Überblick über die Heilkräfte und Anwendungsmöglichkeiten dieser besonderen Pflanze geben, die für viele Menschen als Unkraut gilt. Klar, bei Berührung schmerzen die Brennhaare auf der Haut, aber das ist angesichts der vielen positiven Kräfte dieses Krauts sehr unbedeutend.

Der Begriff „Unkraut“ ist für mich ohnehin ein „Unwort“, denn jede Pflanze auf unserem Planeten hat etwas Gutes an sich und somit eine Daseinberechtigung. Dies einfach mal vorweg. Bereits im Altertum war die Brennnessel eine beliebte Heil- und Nutzpflanze und in vielen Teilen der Erde hoch geschätzt. Der griechische Arzt Dioskorides wusste schon im 1. Jahrhundert um die Heilkraft der Pflanze und setzte sie zur Wundheilung ein, indem er die gehackten Brennnesselblätter auf die Wunden legte. Im Mittelalter wurden aus Brennnesselfasern hochwertige Tücher, Netze und Stricke hergestellt.

Obwohl die Brennnesselblätter bei Berührung ein unangenehmes Brennen auf der Haut auslösen, ist es gerade die Haut, für die Brennnesseln viel Gutes bewirken können. Neben der genannten Wundheilung hilft die Brennnessel nämlich auch bei Schuppenflechte. Doch damit nicht genug. Brennnesseln helfen auch bei Wechseljahrsbeschwerden, Blutarmut, Problemen mit den Harnleitern sowie bei Stoffwechselkrankheiten wie Rheuma, Gicht oder Allergien. Zudem eignet sich die Pflanze für Frühjahrskuren sowie zur Blutreinigung, zum Entschlacken und zur Entgiftung. Für ein Unkraut ganz gut, oder? 

In unseren Breiten wachsen wor allem zwei verschiedene Brennnessel-Arten - die große (Urtica dioica) und die kleine Brennnessel (Urtica urens), die noch stärker brennt als ihre große Schwester. Weltweit jedoch gibt es noch weit mehr Arten. Bis auf die Antarktis wachsen Brennnesseln in unterschiedlichen Auspägungen auf dem gesamten Planeten. Besonders häufig kommt das Kraut dort vor, wo Menschen siedeln. Zufall oder vielleicht ein Plan der Natur, um uns Menschen zu Heilung zu verhelfen? Entscheiden Sie selbst. Die folgenden Anwendungestipps beziehen sich rein auf die große Brennnessel. 

Blätter und Teile des Sprosses können von Mai bis August geerntet werden, die Brennnesselsamen hingegen zur Blütezeit von Juni bis September. Die Wurzeln können im Herbst ausgegraben werden.

Die einfachste Art der Anwendung von Brennnesseln ist sicherlich die innere Anwendung als Tee mit frischen oder getrockneten Blättern sowie äußerlich in Form von Aufgüssen für Umschläge und Waschungen. 
Den Tee nicht länger als 2-3 Wochen trinken. 1-2 Tassen pro Tag.

Eine Brennnesseltinktur können Sie folgendermaßen herstellen:

Geben Sie eine halbe Handvoll fein gehackter Brennnesselwurzeln in ein weithalsiges Glas und übergießen Sie diese mit hochprozentigem Alkohol. Das Verhältnis sollte ca. 1/3 Wurzel und 2/3 Alkohol betragen. Lassen sie das Ganze nun etwa 14 Tage in einem warmen Raum stehen und filtern Sie das Gemisch anschließend durch ein Sieb oder ein Tuch. Fertig ist die selbstgemachte Brennnesseltinktur.

Mit einem selbstgemachten Haarwasser aus Brennnesseltinktur, Arnikatinktur und Hamamelistinktur lassen sich Schuppen bekämpfen und die Kopfhaut stärken. Zur Herstellung von etwa 100 ml des Haarwassers benötigen Sie 40 ml Brennnesseltinktur, einen halben Teelöffel Arnikatinktur und 60 ml Hamamelistinktur.  

Für die Arnikatinktur wird ca. einen Teil Arnika Zungenblütenblätter und neun Teile Alkohol. Die Arnikatinktur wird auf dieselbe Weise hergestellt wie die Brennnesseltinktur. Arnika ist sehr streng geschützt, am besten in der Apotheke kaufen oder schon ein fertiges Produkt verwenden.

Um eine Hamamelistinktur selbst herzustellen, übergiessen Sie Hamamelisblätter oder Hamamelisringe in einem Schraubdeckel-Glas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind, und lassen die Mischung verschlossen für 2 bis 6 Wochen ziehen.

Das Haarwasser vor dem Gebrauch 1:2 mit Wasser verdünnen.

Besser als jeder Kunstdünger ist eine Brennnessel-Beinwell Jauche. Dieses Wundermittel können Sie folgendermaßen herstellen: 

Geben Sie ein halbes Kilo Brennnesselblätter und ein halbes Kilo Beinwellblätter in einen Kübel und gießen Sie die Blätter mit 10 Liter Wasser auf. Lassen Sie das Ganze etwa eine Woche lang am besten draußen stehen, denn die Mischung riecht recht streng. Nun seihen Sie durch ein Sieb oder ein Tuch ab, so dass nur die Flüssigkeit übrig bleibt. Diesen Flüssigdünger können Sie nun zum Düngen Ihrer Pflanzen im Garten verwenden, indem Sie einen Teil Jauche zu zehn Teilen Wasser hinzugeben. Ihre Pflanzen werden es Ihnen mit einem kräftigen Wuchs und voller Blüte danken.

Für Fragen stehe ich Ihnen selbstverständlich immer gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Ihre Christine Keck 

Die Verwendung von Heilkräutern ersetzt Ihnen nicht den Arzt. Die Kräuter sollen weder die Schulmedizin ersetzen noch zur Selbstbehandlung bei Erkrankungen auffordern. Bitte begeben Sie sich bei den geringsten Anzeichen einer Erkrankung in die Hände eines Arztes.

© Bild: CC / Adampauli

Christine’s Kräuter- und Entspannungsecke

Servus! In diesem Bereich möchte ich mein Wissen rund um Bergkräuter und Heilpflanzen mit Ihnen teilen. Zudem finden Sie hier hilfreiche Tipps zur Entspannung - für den Urlaub und für den Alltag. Ich freue mich auf spannende Diskussionen. 


Ihre Christine Keck