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VIEHSCHEID IM KLEINWALSERTAL AM 19. SEPTEMBER

Montag 5. September 2016 Rüdiger’s Talgeschichten


Hintergründe und Termine zum Viehscheid oder Alpabrieb im Kleinwalsertal

Bestimmt kommt auch Ihnen als erstes das typische Bild von Kühen, die auf saftigen Bergwiesen grasen, in den Sinn, wenn Sie an Sommer in den Bergen denken.

Im gesamten Alpenraum ist die Alpwirtschaft eine uralte und auch heute noch wichtige Form der Viehwirtschaft, die große Teile der Kulturlandschaft prägt und dem Rhythmus der Natur in besonderer Weise ausgesetzt ist. So auch bei uns im Kleinwalsertal, wo die Alpwirtschaft trotz aller natürlicher Widrigkeiten eine wichtige Grundlage für die hochwertigen heimischen Produkte wie Bergkäse, Heumilch oder Rindfleisch ist. 

Jedes Jahr im Frühsommer - meist rund um die Pfingsttage - werden die Kühe auf die satt grünen Alpen, wie die Bergwiesen bei uns heißen, getrieben. Dort genießen sie ihren “Sommerurlaub”. Zunächst geht es auf die untersten Wiesen. Sobald diese abgefressen sind, werden die Tiere Stück für Stück weiter bergauf getrieben. Im Hochsommer, wenn die höchsten Bergwiesen erreicht und abgefressen sind, geht es Alpe für Alpe wieder zurück in Richtung Tal. Zwischen Mitte September und Mitte Oktober, wenn das Graswachstum nachlässt und sich in den Hochlagen die ersten Wintereinbrüche ankündigen, endet der Almsommer und das Vieh wird wieder ins Tal getrieben, um dort in den Stallungen der Bauernhöfe zu überwintern. Dieser Vorgang wird Alpabtrieb oder Viehscheid genannt und im Kleinwalsertal - genau wie in anderen Regionen - mit großen Festen gefeiert.

Gab es während des Alpsommers keine größeren Unfälle bei Mensch oder Tier, wird die Herde beim Alpabtrieb von einem Kranzrind angeführt. Dieses Tier trägt einen großen, aufwändig gefertigten Kranz auf dem Kopf, der meist aus Alpenrosen, Latschenkiefer, Tannenzweigen, Gräsern, Blumen oder Silberdisteln besteht. Alle Kühe tragen Glocken, die sogenannten Zugschellen, die böse Geister abwehren und dafür sorgen sollen, dass sich das Vieh schneller bewegt und nicht ständig zum Grasen innehält.

Die Kranzkuh beim Viehscheid oder Alpabtrieb im Kleinwalsertal

Bei der Alpwirtschaft muss während der Sommermonate für das Winterfutter gesorgt werden. In den Monaten, in denen das Vieh auf den oberen Almen grast, wird auf den Wiesen in Tallage sowie auf den mittleren Höhen das Almerheu geschnitten. Vor allem an steilen Hängen geschieht dies auch heute noch größtenteils von Hand. Häufig wird das Heu noch wie in alten Zeiten in Heuhütten gelagert und im Winter dann bei Bedarf - damals mittels Hörnerschlitten und heute meist mit Traktoren - ins Tal zu den Höfen transportiert. 

Was soll dieser ganze Aufwand?

Die Alpwirtschaft hat für die Landwirte, Tiere, Natur und letzlich auch für die Verbraucher viele Vorteile. Während die Weideflächen im Tal häufig begrenzt sind können mithilfe der Alpwirtschaft auch die Höhenlagen genutzt und bewirtschaftet werden. In zunehmender Höhe wachsen zudem mehr Bergkräuter, die nicht nur enorm nahrhaft für das Vieh sind, sondern auch für eine außergewöhnlich hohe Qualität der Mich und des Fleisches sorgen. Der Großteil der Nordalpen und westlichen französischen Pyrenäen wäre ohne die Alpwirtschaft bis auf etwa 1.500 Meter durchgehend bewaldet. Das Weidevieh hält die Alpen waldfrei und fördert damit Pflanzengesellschaften, die ansonsten nur auf besonderen Standorten wie Felsköpfen oder in Lawinenstrichen vorkommen. Zudem sorgen die Rinder durch ihr Gewicht und die Klauen für eine Verdichtung des Bodens sowie für eine Terrassenbildung, was das Risiko für Murenabgänge und Gerölllawinen verringert. Während dem Almsommer wird das Milchvieh auf den Alpen gemolken und die wertvolle Milch direkt vor Ort zu Käse - meist Bergkäse, aber auch Almkäse oder Heumilchkäse - verarbeitet. Vieh, das zur Fleischerzeugung dient, wächst in den sommermonaten kräftig und durch das Auf- und Absteigen wird es außerordentlich muskulös. 

Saftige Bergwiesen - Mit dem Viehscheid oder Alpabtrieb geht der Bergsommer im Kleinwalsertal zu Ende

Bereits in der frühen Antike entdeckten die Menschen die Alpwirtschaft für sich. Die ältesten Belege für die Existenz der Alpwirtschaft stammen aus der Bronzezeit um 1.700 bis 900 v. Chr. Heute gibt es in ganz Österreich rund 70.000 Almbauern, die auf 12.000 bewirtschafteten Alpen ca. 500.000 Rinder halten.

Am 19. September findet im Kleinwalsertal der Viehscheid statt. Seien Sie dabei, wenn etwa 700 Tiere von fünf Alpen am Scheidplatz in Riezlern eintreffen und das Ende des Alpsommers gefeiert wird. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt und ein geselliges Rahmenprogramm mit kleinem Bauern- und Krämermarkt, zünftiger Live-Musik und Produkten der Walser Buura lassen keine Wünsche offen. 

Die Viehtriebe und Ankunftszeiten der verschiedenen Alpen:

Obere Spitalalpe: ca. 7.15 Uhr ab Baad durch Mittelberg und Hirschegg, Ankunft in Riezlern ca. 8.30 Uhr.

Alpe Bärgunt: ca. 8.15 Uhr ab Baad durch Mittelberg und Hirschegg, Ankunft in Riezlern ca. 9.30 Uhr.

Alpe Innerduura/Stierhof: ca. 9.45 Uhr ab Baad durch Mittelberg und Hirschegg, Ankunft in Riezlern ca. 11.00 Uhr.

Zwerenalpe & Außerkuhgehren: ca. 11.15 Uhr ab Zwerenalpe über Kanzelwand-Talabfahrt, Ankunft in Riezlern ca. 12.00 Uhr.

Alpe Galtöde & Schwarzwasser: ca. 11.45 Uhr auf der Schwarzwassertalstrasse, Ankunft in Riezlern ca. 13.30 Uhr.