Die bewegte Geschichte der Walser im Kleinwalsertal

Montag 8. Mai 2017 Rüdiger’s Talgeschichten


Rüdiger Keck zur Besiedlung des Kleinwalsertals und die Meilensteine in der Geschichte des Tals

Das Kleinwalsertal ist untrennbar mit der Geschichte der Walser verknüpft, die im Jahre 1270 aus dem Schweizer Oberwallis einwanderten und sich hier niederließen. Seitdem ist viel passiert, was die Talbewohner zu dem machte, was sie heute sind. Heute möchte ich Ihnen einige Meilensteine der Walser Geschichte vorstellen.

Die ersten Bewohner des heutigen Kleinwalsertals waren fünf Walliser Familien unter der Führung von Hans Wüstner, die über den Hochalppass, dem heutigen Wanderweg E16 (Schröcken bis Baad), kamen und sich im damals noch unbewohnten Breitachtal niederließen. Der Grund für ihre Auswanderung aus dem Schweizer Kanton Wallis waren politische und wirtschaftliche Gründe. Zu dieser Zeit um das Jahr 1300 war das Tal Eigentum des Freiherrn von Rettenberg, der den Walsern die Rodung und Ansiedelung in dem zuvor nur zur Jagd benutzten Gebiet gestattete. Als Gegenleistung musste ihm jede Siedlerfamilie jährlich einen Laib Käse überlassen. In den ersten urkundlichen Erwähnungen aus dieser Zeit wurde das Tal unter den Namen  das Tal zu den Wüstner, Mittelberg oder Breitachtal geführt. Gemeinsam mit anderen Siedlungen wie Zug, Warth, Lech und Krumbach bildete die Siedlung Mittelberg damals die Kolonie Tannberg.

Nachdem der letzte männliche Erbe der Rettenberg verstarb, gelangte das Tal um 1350 in den Besitz von Adelheit von Waldburg, die das Tal nur ein Jahr später an die Gebrüder von Heimenhofen verkaufte.

Im 15. Jahrhundert ging es heiß her. 1453 nahmen die Walser den Graf Ulrich von Werdenberg-Sargans und Hans von Rechberg, die anlässlichn einer unbekannten gerichtlichen Streitigkeit auf den Tannberg kamen, gefangen. Herzog Sigmund von Tirol bat die Walser um Entlassung der beiden, was diese jedoch zuerst ablehnten. Zwar wurde Ulrich von Werdenberg später freigelassen, Hans von Rechberg blieb dagegen in Haft. Herzog Sigmund befreite daraufhin Hans von Rechberg mit Waffengewalt und eroberte dabei die komplette Tannberger Kolonie. In Folge dessen verloren die Tannberger all ihre Rechte. Von nun an unterstanden die Tannberger und Mittelberger dem Habsburger Herzog Sigmund und gehörten ab diesem Tag zu Österreich. 

Im Jahr 1500 erlangten die Walser ihre 1453 verlorenen Rechte zurück. 63 Jahre später, am 1. April 1563 wurde den Walsern unter der Regentschaft von Kaiser Ferdinand I. ihr eigenes Gericht zugesprochen. Ab diesem Tag unterstanden die Walser nicht mehr dem Gericht Tannberg.

1646 errichteten die Walser an der Walserschanz das Schanztor, an dem fortan Kontrollen stattfanden sowie ein ”Gewöhrzimmer” zur Aufbewahrung der Waffen.

Aufgrund fehlender Straßenverbindungen zum übrigen Staatsgebiet Österreichs war der Warenaustausch mit Österreich seit jeher fast unmöglich. Landwirtschaftliche Produkte wie Vieh, Käse und Butter waren deshalb von den Walsern stets nach Bayern ausgeführt und dort verzollt worden. Ab 1878 jedoch verschärfte Bayern seine bisherigen Zollbeschränkungen und verbot den Walser Landwirten den Viehverkauf im benachbarten Allgäu, obwohl dies seit Jahrhunderten gängige Praxis war. Fortan waren die Landwirte dazu verdammt, ihr Vieh mühsam über die Berge und Pässe bis zu den Vorarlberger Märkten zu treiben. Dort mussten sie das Vieh oft zu ungünstigen preisen verkaufen, denn das Zurücktreiben des Viehs wäre zu aufwändig und unwirtschaftlich gewesen. Viele Jahre lang kämpften die Walser für eine Sonderwirtschaftszone, die ihnen im Jahr 1891 schließlich zugesprochen wurde. Die Gemeinde Mittelberg erhielt den lange ersehnten Status eines Zollausschlussgebiets, was den freien Warenverkehr für landwirtschaftliche Produkte und andere wichtige Handelsgüter mit Deutschland wieder ermöglichte. Dies war ein wichtiger Wendepunkt, der die wirtschaftliche Entwicklung im Tal enorm begünstigte. 

Im Jahr 1930 wurde die Buslinie Oberstdorf–Mittelberg in Betrieb genommen, was die Entwicklung im Tal weiter belebte.

Nachdem Deutschland zu Beginn des zweiten Weltkriegs die Ausreise-Sperrmaßnahmen gegenüber Österreich verschärfte, wurde für die Ausreise aus Deutschland nach Österreich eine Visumsgebühr von 1.000 Reichsmark fällig. Anfänglich galt diese Anordnung auch für das Kleinwalsertal und so wurde ab dem 1. Juni 1933 eine SS-Abteilung an der Walserschanze stationiert, die von jedem Passanten die Visumsgebühr kassierte. Aufgrund der Tatsache, dass das Kleinwalsertal nur über das benachbarte Oberstdorf auf deutscher Seite erreichbar ist, wurde das Tal durch diese Tausendmarksperre faktisch abgeschnitten und der Handel unmöglich gemacht. Nur zehn Tage später, am 10. Juni, wurde diese Sperre daher wieder aufgehoben.

Während die Walser Jahrhunderte lang ausschliesslich von der Landwirtschaft lebten, begann mit der Errichtung des Parsennlifts als erster Skilift des Tals im Jahr 1940 sowie dem Bau des Heuberg-Sessellifts im Jahr 1950 eine tiefgreifende Veränderung. Der Tourismus hielt Einzug und krempelte das Leben der Walser gehörig um. Nicht zuletzt dem Pioniergeist der Walser ist spätere Tourismusboom zu verdanken, denn der Parsennlift war der zweite Großschlepplift und der Heuberglift der zweite Einsessellift in ganz Vorarlberg. Als mit der Kanzelwandbahn 1955 die erste Bergbahn in Betrieb ging, bei der die Kabinen vom Zugseil abgekuppelt werden konnten, nahm der Tourismus so richtig Fahrt auf und das Kleinwalsertal entwickelte sich zu einer der beliebtesten Ski-Destinationen im nördlichen Alpenraum. 

Im Rahmen der Walser Stammgästewoche vom 15. bis zum 20. Oktober haben Sie neben vielen weiteren Erlebnissen rund um die Walser Traditionen und Geschichte die Möglichkeit, die alte Walser Siedlung Gerstruben zu besuchen und von Gemeindechronist Stefan Heim mehr über die Baukunst und Lebensweise der Walser zu erfahren. Einen Überblick zum Programm der Walser Stammgäste-Woche finden Sie hier.

Sie waren bereits mindestens zwei Mal Gast im Hörnlepass? Dann möchten wir uns mit der exklusiv für unsere verehrten Stammgäste entwickelten Pauschale zur Walser Stammgäste-Woche für Ihre Treue bedanken. Je öfter Sie bereits unser Gast waren, desto mehr beteiligen wir uns an Ihrem Aufenthalt, indem Sie pro Aufenthalt ein Prozent Ermäßigung auf den Paketpreis erhalten. Alle Details zur Urlaubspauschale Walser Stammgäste-Woche finden Sie hier.

Für Fragen zur Geschichte der Walser stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Ihr Rüdiger Keck 

Bild: Kleinwalsertal Tourismus eGen | www.kleinwalsertal.com

Rüdiger's Talgeschichten

Grüaß aib! Das Kleinwalsertal hat viel zu bieten und eine lange, bewegte Geschichte. Als Ur-Walser werde ich Ihnen hier immer wieder saisonale Geheimtipps für Aktivitäten und Sehenswertes an die Hand geben. Auch über die Walser Geschichte und Traditionen werden Sie hier allerhand erfahren.


Ihr Rüdiger Keck