CHRISTINE’S KRAUT DES MONATS / MAI: GUNDELREBE

Mittwoch 30. Mai 2018 Christine’s Kräuter- und Entspannungsecke


Tipps zu den Heilkräften und zur Anwendung der Gundelrebe, bzw. Gundermann aus dem Alpengasthof Hörnlepass im Kleinwalsertal

Mit der Gundelrebe möchte ich Ihnen heute eine kleine, unscheinbare, aber sehr kraftvolle Pflanze vorstellen, die bereits seit vielen hundert Jahren in Küche und Hausapotheke eingesetzt wird. Heutzutage kennen jedoch nur noch wenige Menschen die Vorzüge dieses Krauts. Was die Pflanze alles kann und was die Menschen im Mittelalter sonst noch alles mit der Gundelrebe in Verbindung brachten, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Klein aber oho. Die kleinwüchsige Gundelrebe, auch Gundermann genannt, kann in der Natur leicht übersehen werden. Der vierkantige Stengel „kriecht“ förmlich über den Boden und nur der obere, blühende Teil wächst aufrecht. Die Blätter ähneln Efeublättern und allein mit ihren kleinen blauen Lippenblüten macht die Pflanze auf sich aufmerksam. Aufgrund ihrer Blätter trägt sie auch den botanischen Namen hederacea, was soviel bedeutet wie efeuähnlich.

Die Gundelrebe wächst vornehmlich auf feuchten und nährstoffreichen Böden, weshalb sie häufig an Ufern, auf Wiesen, Weiden und an Auen anzutreffen ist. In den Alpen wächst sie bis in Höhenlagen von 1.500 Metern.

Inhaltsstoffe und Anwendung

Während die Gundelrebe mit ihren Inhaltsstoffen wie Vitamin C, Kalium, Gerbstoffe, organische Säuren sowie Saponin, ätherisches Öl und der bislang unerforschte Bitterstoff Glechomin für uns Menschen viele gesundheitsfördernde Eigenschaften bereithält, ist sie für Pferde eine Giftpflanze, die im schlimmsten Fall sogar tödlich sein kann. Schafe und Rinder hingegen vertragen die Pflanze auch in größeren Mengen. 

Obwohl die Pflanze in der Schulmedizin nie Anwendung fand, wurde sie in der Volksmedizin bereits um 1.000 n. Chr. etwa bei Katarrhen, Blasenleiden, Magenverstimmungen, Appetitlosigkeit, Galle-, Leber- und Nierenbeschwerden, als Tonikum sowie zum Spülen bei Mund- und Rachenentzündungen eingesetzt. So empfahl bereits die heilkundige Äbtissin aus dem Benediktinerkloster Rupertsberg Hilgegard von Bingen (1.098 bis 1.179 n. Chr.) im Zeitalter der alten Germanen den Einsatz der Gundelrebe bei Bronchialkatarrhen und zur Wundbehandlung. Auch Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897) verordnete Gundelrebentee bei Brust- und Magenverschleimung. 

Im Volksglauben half Gundelrebe bei der Behandlung von Brand im Mund, wenn man fünf bis sieben Blätter in ein ungebleichtes Tuch wickelt und sich dieses um den Hals hängt. 

Belegt ist jedoch, dass Gunderebe entschlackend, schleimlösend (Erkrankungen der Atemwege), wärmend und entzündungshemmend wirkt. Die ätherischen Öle der Gundelrebe regen den Appetit an und fördern die Verdauung sowie den Stoffwechsel. Die enthaltenen Gerbstoffe zieht allzu nasse Schleimhäute zusammen und kräftigt sie. Die Pflanze beinhaltet ebenfalls viel salpetersaures Kalium, das entzündungshemmend wirkt. 

Bei Zahnschmerzen kann man die frischen Blättchen kauen.

Als Badbeigabe wirkt die Pflanze bei Ischiasproblemen sowie bei Blasen- und Nierensteinen und bei Ohrenschmerzen hilft es, wenn man sich einen mit Gundelrebentee getränkten Wattebausch ins Ohr steckt. Auch bei Kopfschmerzen ist der Einsatz der Gundelrebe empfehlenswert.

Mythologie 

Bei den Germanen war der Gundermann dem Donar heilig und sollte daher vor Gewitter schützen. Ebenfalls war man davon überzeugt, dass sich der Gundermann zu wahrsagerischen Zwecken eignen würde. Wer etwa zu Neujahr einen Gundelrebe-Strauß mit in die Kirche nimmt, der solle sehen können, wer aus der Gemeinde sterben würde.

In der Walpurgisnacht wurde die Pflanze gepflückt, weil man meinte, damit Hexen enttarnen zu können. Wer beim Kirchgang zu Walpurgis einen Kranz aus Gundermann auf dem Kopfe trüge, würde die Hexen an mitgeführten Besen, Melkeimern usw. erkennen.

Weiter soll der Gundermann im damaligen Glauben auch vor Behexung des Kuheuters schützen. Dazu solle man aus dem Gundermann drei Kränze winden, die Kuh an jeder Zitze dreimal durch die Hinterläufe melken und anschließend die Kränze an das Tier verfüttern. Wenn man dazu die Worte „Kuh, da gebe ich dir die Gundelreben, daß du mir die Milch wollest wiedergeben” spräche, so solle die Kuh vor Verhexung geschützt sein.

Anwendung in der Küche 

Die leicht scharf schmeckenden Blätter der Gundelrebe lassen sich das ganze Jahr über als Zutat für Topfenaufstrich, Kräuterbutter, Gemüsegerichte, Suppen und Salate verwenden. Die Blüten können auch eine Maibowle bereichern.

Die Gundelrebe ist zudem ein Bestandteil der Gründonnerstagssuppe. Und hier folgt auch schon das Rezept… 

Rezept für eine Gründonnerstagssuppe

Sammeln sie beliebig viele Wild- und Gartenkräuter (z.B. Gundelrebe, Vogelmiere, Brennessel, Bärlauch, Löwinnenzahn, Gänseblüchen, Knoblauchsrauke, Wegerich) und waschen Sie die Kräuter gut. Schneiden Sie die Kräuter klein und dünsten Sie sie zusammen mit einer frein gehackten Zwiebel in Butter an. Dann gießen Sie mit einem Liter Rinds- oder Gemüsebrühe auf und lassen die Kräuter darin ein paar Minuten weichkochen. Anschließend pürieren. Eventuell noch mit etwas Schlagobers verfeinern und zum Schluss mit Salz, Pfeffer und etwas geriebener Muskatnuss abschmecken. Fertig! 

Und da wir oben bereits vom Gundelrebe-Tee sprachen…

Rezept für Gunderebe-Tee 

Einen halben Teelöffel Gundelrebenblätter mit heißem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen lassen. Dieser Tee hilft gut bei Husten, denn die Blätter der Gundelrebe wirken schleimlösend. Auf eine längere Einnahme des Tees sollte jedoch verzichtet werden. Der tee kann auch für Waschungen und Wundauflagen genutzt werden. Als Mundspülung hilft er bei Zahnschmerzen und eitrigen Zahnfleischentzündungen.

Für Fragen zur Gundelrebe oder anderen Gewächsen und Heilpflanzen stehe ich Ihnen immer gerne zur Verfügung.

Ihre Christine Keck

Die Anwendung von Heilkräutern ersetzt nicht den Arzt. Die Kräuter sollen weder die Schulmedizin ersetzen noch zur Selbstbehandlung bei Erkrankungen auffordern. Bitte begeben Sie sich bei den geringsten Anzeichen einer Erkrankung in die Hände eines Arztes. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch die beschriebenen Anwendungen und Informationen entstehen können. Anwendungen erfolgen ausdrücklich auf eigene Gefahr und Verantwortung. Für die Richtigkeit oder Vollständigkeit können wir keine Gewähr übernehmen.

Christine’s Kräuter- und Entspannungsecke

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Ihre Christine Keck